Das Wichtigste in Kürze
- Ohne High-Performance-Backend (HPB) schickt in Nextcloud Talk jeder Teilnehmer sein Video an jeden anderen. Mit HPB lädt jeder sein Bild nur einmal zu einem zentralen Verteiler hoch.
- Talk warnt ohne HPB schon ab drei Teilnehmern vor Verbindungsproblemen. Mit HPB nennt die Dokumentation 30 bis 50 aktive Teilnehmer und Hunderte Zuschauer.
- Aufnahmen und Telefoneinwahl per SIP lassen sich nur mit HPB einrichten und brauchen jeweils einen weiteren Dienst.
- Das zweite Backend heißt Client Push (notify_push). Es meldet Änderungen an Dateien sofort an Desktop-Client und Weboberfläche. Laut Nextcloud fallen damit rund 90 Prozent der Abfragen beim Server weg.
- Talk installieren Sie in jedem ACONA-Paket selbst aus dem Nextcloud App Store. Für Chat und kleine Anrufe reicht das. Beide Backends sind ab dem Paket Plus enthalten.
In der Paketübersicht unserer Managed Nextcloud steht eine Zeile, die ohne Erklärung wenig sagt: „High-Performance-Backend“. In den Paketen Starter und Team fehlt es, ab Plus ist es enthalten. Gemeint sind zwei Zusatzdienste. Der erste gehört zu Nextcloud Talk, der Chat- und Videokonferenz-App in Nextcloud. Er bestimmt, mit wie vielen Personen ein Videoanruf noch flüssig läuft. Der zweite heißt Client Push und sorgt dafür, dass Desktop-Client und Weboberfläche geänderte Dateien sofort mitbekommen.
Für Chat und gelegentliche Gespräche zu zweit brauchen Sie das Talk-Backend nicht. Wer sich regelmäßig mit mehr als einer Handvoll Personen per Video trifft, sollte es haben. Dasselbe gilt für alle, die Besprechungen aufzeichnen oder Webinare veranstalten wollen.
Was ist das High-Performance-Backend für Nextcloud Talk?
Ohne Zusatzdienst verbindet Talk in einem Anruf jeden mit jedem. Laut Talk-Dokumentation schickt jeder Teilnehmer seinen eigenen verschlüsselten Video- und Audiostrom an jeden anderen und empfängt von jedem einen zurück. Technisch heißt das Mesh. Bei drei Personen gehen von jedem Gerät zwei Videoströme ab, bei acht Personen sieben.
Das High-Performance-Backend, kurz HPB, stellt einen zentralen Verteiler in die Mitte. Jeder Teilnehmer schickt sein Bild nur noch einmal dorthin, und der Verteiler reicht es an alle anderen weiter. Das ähnelt einem E-Mail-Verteiler: Sie schreiben an eine Adresse, und alle Mitglieder bekommen die Nachricht. In der Fachsprache heißt so ein Verteiler Selective Forwarding Unit (SFU).
Aus welchen Teilen besteht das HPB?
Hinter dem Begriff stecken mehrere Programme, die zusammenarbeiten.
- Der Signaling-Server ist die Schaltzentrale. Er hält zu jedem Gerät eine dauerhafte Verbindung und regelt, wer im Anruf ist und wohin die Videoströme gehen. Die Software heißt nextcloud-spreed-signaling und stammt von der Struktur AG, einem Partner von Nextcloud. Seit Mai 2020 steht sie unter der freien Lizenz AGPL.
- Janus ist der eigentliche Verteiler für Bild und Ton, also die SFU. Auch Janus ist quelloffen.
- NATS ist ein Nachrichtendienst im Hintergrund. Über ihn tauschen Signaling-Server Nachrichten aus. Damit lässt sich ein HPB bei Bedarf auf mehrere Server verteilen.
Als Nutzer bemerken Sie von diesen Teilen nichts. Talk im Browser und die Apps für Smartphone und Desktop sehen gleich aus und werden gleich bedient.
Wie viele Teilnehmer schafft Nextcloud Talk ohne HPB?
Die Talk-Dokumentation rechnet mit etwa 1 Mbit/s pro Videostrom. Im Mesh lädt jeder Teilnehmer sein Bild für jeden anderen einzeln hoch. Der Bedarf pro Person ist also 1 Mbit/s mal die Zahl der übrigen Teilnehmer. Bei fünf Personen sendet und empfängt jeder rund 4 Mbit/s, bei acht Personen rund 7 Mbit/s. Da die meisten Internetanschlüsse deutlich weniger Upload als Download haben, wird das Senden schnell zum Engpass. Reicht die Leitung eines Teilnehmers nicht, friert sein Bild bei den anderen ein oder sein Ton setzt aus.
Talk selbst ist hier vorsichtig. In der Admin-Oberfläche warnt die App, dass es in Anrufen mit mehr als zwei Teilnehmern ohne HPB sehr wahrscheinlich zu Verbindungsproblemen und hoher Last auf den Geräten kommt. Die Dokumentation zur Skalierung rechnet für Anrufe, in denen alle die Kamera ausschalten, großzügiger. Ton allein braucht etwa 50 kbit/s pro Strom, rund ein Zwanzigstel von Video. Haben alle schnelle Leitungen und leistungsfähige Geräte, hält sie so einen Anruf mit rund 20 Personen für machbar.
Auf der Talk-Produktseite nennt Nextcloud für Anrufe ohne HPB 6 bis 10 Personen. Mit Kamera und gewöhnlichen Heimanschlüssen wird es oft schon früher eng. Die Talk-Dokumentation überschreibt den Abschnitt zum HPB passend mit „Scaling beyond 5-20 users in a call“.
Mit HPB lädt jeder Teilnehmer sein Bild nur einmal hoch, egal wie viele zusehen. Empfangen müssen die Geräte die Bilder der anderen weiterhin. Laut Dokumentation reicht das typischerweise für 30 bis 50 aktive Teilnehmer, die sprechen und ihre Kamera zeigen, und zusätzlich für Hunderte, die nur zusehen und zuhören. Für Nextcloud 35 gibt Nextcloud im Release-Beitrag zu Hub 26 Summer an, dass das HPB jetzt Konferenzen mit über 1.000 Teilnehmern verarbeiten kann.
Die Zahlen sind Richtwerte der Talk-Entwickler. Wie viele Zuschauer ein HPB tatsächlich trägt, hängt laut Dokumentation vor allem von der Bandbreite des Servers ab, auf dem der Verteiler läuft. Auf der Seite der Teilnehmer zählen Upload und Rechenleistung.
Was ändert sich mit dem High-Performance-Backend im Alltag?
Stabilere Anrufe und weniger Last auf Laptop und Smartphone
In einer Vorstandssitzung mit acht Leuten lädt ohne HPB jedes Gerät sieben Videoströme hoch und muss sieben eingehende dekodieren und anzeigen. Laut Dokumentation belastet vor allem das Dekodieren die Geräte stark. Sie empfiehlt für große Anrufe ohne HPB sogar, Laptops ans Netzteil zu hängen, weil sie dann mehr Rechenleistung abrufen. Browser auf dem Smartphone stoßen noch früher an ihre Grenzen. Mit HPB fällt der mehrfache Upload weg. Ein Teilnehmer mit schwachem Anschluss hat damit deutlich bessere Chancen, flüssig gesehen und gehört zu werden.
Aufnahmen von Besprechungen
Talk kann Anrufe aufzeichnen, etwa für Mitglieder, die bei einer Sitzung nicht dabei sein konnten. Dafür gibt es einen eigenen Recording-Server. Laut seiner Installationsanleitung setzt er ein HPB voraus, denn er wählt sich wie ein weiterer Teilnehmer in den Anruf ein. Ohne HPB lässt sich in Talk keine Aufnahme einrichten.
Einwahl per Telefon
Wer keine App nutzen möchte, kann sich bei entsprechender Einrichtung per Telefon in einen Talk-Anruf einwählen. Das läuft über eine SIP-Bridge, die eine Telefonnummer mit der Unterhaltung verbindet. Auch sie lässt sich nur mit HPB einrichten. Die SIP-Bridge ist ein eigener Dienst, der zusätzlich eingerichtet wird.
Webinare und große Versammlungen
Für eine Online-Mitgliederversammlung mit 80 Personen oder eine Kundenschulung reicht das Mesh nicht. Mit HPB können wenige Personen sprechen und präsentieren, während viele zusehen. Die Talk-Dokumentation nennt Webinare und Fernunterricht ausdrücklich als Einsatzzweck. In Talk lässt sich dafür eine Lobby einschalten. Gäste warten dort, bis die Moderation die Unterhaltung freigibt.
Tipp-Anzeige und weniger Last auf dem Nextcloud-Server
Ohne HPB übernimmt der Nextcloud-Server das Signaling selbst. Jeder Teilnehmer einer geöffneten Unterhaltung fragt dann laufend beim Server nach, ob es Neuigkeiten gibt, und der Server schaut dafür im Sekundentakt in seiner Datenbank nach. Mit HPB halten die Geräte eine dauerhafte Verbindung zum Signaling-Server und bekommen Neuigkeiten von dort. Laut Dokumentation sinkt dadurch die Last vieler Anrufe auf dem Nextcloud-Server. Manche Funktionen gibt es laut Installationsanleitung außerdem nur mit HPB, zum Beispiel die Anzeige, dass jemand gerade tippt.
Talk ohne HPB und mit HPB im Vergleich
| Talk ohne HPB | Talk mit HPB | |
|---|---|---|
| Verbindungen im Anruf | Jeder mit jedem (Mesh) | Über einen zentralen Verteiler (SFU) |
| Upload pro Person bei 8 Teilnehmern mit Kamera | rund 7 Mbit/s | rund 1 Mbit/s |
| Videoanrufe mit Kamera | Talk warnt ab 3 Personen, Nextcloud nennt 6 bis 10 | typischerweise 30 bis 50 aktive Teilnehmer |
| Zuschauer und Zuhörer | rund 20 Personen, nur ohne Kamera und mit schnellen Leitungen | Hunderte, seit Nextcloud 35 laut Nextcloud über 1.000 |
| Aufnahmen | nicht möglich | möglich, mit zusätzlichem Recording-Server |
| Einwahl per Telefon (SIP) | nicht möglich | möglich, mit zusätzlicher SIP-Bridge |
| Anzeige „schreibt gerade“ | nein | ja |
| Signaling | über den Nextcloud-Server, per Abfrage | über den Signaling-Server, per dauerhafter Verbindung |
| TURN-Server | je nach Netz der Teilnehmer nötig | je nach Netz der Teilnehmer nötig |
Ersetzt das HPB einen TURN-Server?
Nein. Ein TURN-Server ist ein Umleitungsdienst für Netze mit strenger Firewall, etwa in Schulen oder Hotels. Kommt dort keine direkte Verbindung zustande, leitet er Ton und Bild über einen erlaubten Port weiter. Die TURN-Dokumentation von Talk sagt ausdrücklich, dass ein TURN-Server auch mit HPB nötig sein kann. Manche Firewalls lassen nur Port 443 durch, und der TURN-Server reicht den Datenverkehr dann an den Verteiler weiter.
Client Push: das High-Performance-Backend für Dateien
Der zweite Teil des HPB hat mit Videoanrufen nichts zu tun. Anfang 2021 hat Nextcloud mit Version 21 die App notify_push vorgestellt und sie damals „Files High Performance Back-end“ genannt. Im App Store heißt sie heute Client Push.
Ohne Client Push fragen Desktop-Client und Weboberfläche alle 30 Sekunden beim Server nach, ob sich Dateien geändert haben. Sie fragen auch dann, wenn niemand etwas gespeichert hat. Bei 20 Rechnern mit Desktop-Client kommen so 40 Abfragen pro Minute zusammen. Mit Client Push meldet der Server Änderungen von sich aus, sobald sie passieren. Laut Nextcloud fallen damit rund 90 Prozent dieser Abfragen weg.
Im Alltag merken Sie das an zwei Stellen. Speichert eine Kollegin eine Datei in einem geteilten Ordner, beginnt Ihr Desktop-Client sofort mit dem Abgleich und wartet nicht auf die nächste Abfrage. Außerdem hat der Server weniger zu tun. Je mehr Geräte verbunden sind, desto mehr Abfragen fallen weg. Die Zeile „High-Performance-Backend“ in unserer Paketübersicht umfasst beide Dienste: das Backend für Talk und Client Push für Dateien.
Wer braucht das High-Performance-Backend?
Das HPB lohnt sich, wenn mindestens einer dieser Punkte auf Sie zutrifft:
- Sie treffen sich regelmäßig mit mehr als etwa sechs Personen per Video, zum Beispiel zur Vorstandssitzung oder zur wöchentlichen Teambesprechung.
- Sie wollen Besprechungen aufzeichnen.
- Sie planen Webinare oder Online-Versammlungen mit vielen Zuschauern.
- Mitglieder oder Kunden sollen sich per Telefon einwählen können.
- Viele Personen arbeiten mit dem Desktop-Client in gemeinsamen Ordnern und sollen Änderungen der anderen ohne Verzögerung sehen.
Ohne HPB kommen Sie aus, wenn Sie Talk vor allem als Chat nutzen, Dateien in Unterhaltungen teilen und nur ab und zu zu zweit oder zu dritt telefonieren. Wer große Videotreffen lieber außerhalb von Nextcloud abhält, kann auch ein eigenes Konferenzsystem wie Jitsi Meet oder BigBlueButton nutzen. Worin sich die beiden unterscheiden, steht in unserem Vergleich Jitsi Meet oder BigBlueButton. Beide betreiben wir auch als Videokonferenz-Hosting.
Welches ACONA-Paket enthält das High-Performance-Backend?
Das HPB ist ab dem Paket Plus für 35,70 € im Monat enthalten, mit beiden Teilen: dem Backend für Talk und Client Push für Dateien. Dazu kommen 250 GB Speicher und Priorität 1 im Helpdesk. Anfragen mit Priorität 1 klären wir in bis zu 12 Stunden, meist in 1 bis 6 Stunden. Die Frist zählt in der Geschäftszeit an Werktagen, Anfragen nimmt der Helpdesk rund um die Uhr an. Was die Prioritäten bedeuten, erklärt unser Artikel zu den Support-Leveln. Das Paket für Unternehmen enthält beide Backends als dediziertes HPB. Den Preis dafür nennen wir auf Anfrage.
Talk selbst können Sie in jedem Paket nutzen. In allen Paketen installieren und verwalten Sie Apps aus dem Nextcloud App Store selbst, auch Talk. Ohne HPB reicht das für Chat und kleine Anrufe, im Paket Starter für 11,90 € ebenso wie im Paket Team für 23,80 € im Monat. Team bringt 150 statt 50 GB Speicher und Priorität 2 im Helpdesk mit.
Was die Pakete außer Talk enthalten, erklären wir in den Artikeln zu den Standard-Funktionen von Nextcloud und zu den Office-Funktionen. Alle Pakete im Vergleich finden Sie auf der Preisseite der Managed Nextcloud. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihre Runden groß genug für das HPB sind, nennen Sie uns im kostenlosen 20-minütigen Erstgespräch Ihre übliche Teilnehmerzahl. Dann sagen wir Ihnen, welches Paket passt.
Häufige Fragen
Funktioniert Nextcloud Talk auch ohne High-Performance-Backend?
Ja. Chat, Dateien in Unterhaltungen, Umfragen und Anrufe funktionieren auch ohne. Bei Videoanrufen mit mehr als zwei Teilnehmern warnt Talk aber vor Verbindungsproblemen und hoher Last auf den Geräten. Aufnahmen, Telefoneinwahl per SIP und die Anzeige, dass jemand gerade tippt, gibt es nur mit HPB.
Wie viele Teilnehmer schafft Nextcloud Talk mit High-Performance-Backend?
Laut Talk-Dokumentation typischerweise 30 bis 50 aktive Teilnehmer mit Kamera und Mikrofon, dazu Hunderte, die nur zusehen. Für Nextcloud 35 gibt Nextcloud an, dass das HPB Konferenzen mit über 1.000 Teilnehmern verarbeiten kann. Die Grenze setzt vor allem die Bandbreite des Servers, auf dem der Verteiler läuft.
Ist das High-Performance-Backend Open Source?
Ja. Der Signaling-Server nextcloud-spreed-signaling der Struktur AG steht seit Mai 2020 unter der AGPL. Der Medienverteiler Janus und der Nachrichtendienst NATS sind ebenfalls quelloffen.
Brauche ich mit High-Performance-Backend noch einen TURN-Server?
Oft ja. Der TURN-Server leitet Ton und Bild weiter, wenn eine Firewall direkte Verbindungen blockiert, etwa in Schulen oder Hotels. Laut Talk-Dokumentation kann er auch mit HPB nötig sein, weil manche Netze nur Port 443 durchlassen.
Was ist der Unterschied zwischen dem Talk-HPB und Client Push (notify_push)?
Das Talk-HPB verteilt Bild und Ton in Anrufen und übernimmt das Signaling. Client Push, früher „Files High Performance Back-end“ genannt, meldet geänderte Dateien sofort an Desktop-Client und Weboberfläche. Ohne Client Push fragen diese alle 30 Sekunden beim Server nach. Im Paket Plus sind beide Backends enthalten.
Kann ich Nextcloud Talk auch ohne das Paket Plus nutzen?
Ja. In allen Paketen installieren und verwalten Sie Apps aus dem Nextcloud App Store selbst, auch Talk. Ohne HPB eignet sich Talk für Chat und Anrufe in kleiner Runde. Für größere Anrufe, Aufnahmen und Telefoneinwahl brauchen Sie das HPB aus dem Paket Plus.
Quellen
- Nextcloud: Nextcloud Talk
- Nextcloud Talk Documentation: Scalability
- Nextcloud Talk Documentation: Quick install
- Nextcloud Talk Documentation: Configuring a TURN server
- Nextcloud Talk: Warnhinweis zum High-Performance-Backend in den Admin-Einstellungen (Quellcode)
- Struktur AG: nextcloud-spreed-signaling (GitHub)
- Nextcloud Talk Recording Server: Installation
- Nextcloud: Nextcloud Hub 26 Summer (Release-Beitrag)
- Nextcloud: Talk 9 und Open-Source-Backend (Pressemitteilung, 19.05.2020)
- Nextcloud-Forum: Introducing Files High Performance Back-end
- Nextcloud App Store: Client Push (notify_push)


