Das Wichtigste in Kürze
- Mattermost 12.0 ist seit dem 16. Oktober 2026 verfügbar, aktuell ist 12.0.1 mit Sicherheitskorrekturen.
- Der Server braucht glibc 2.34 und PostgreSQL 15. RHEL 7 und 8 sowie OpenSearch 1.x werden nicht mehr unterstützt.
- Wer Ruhe vor monatlichen Updates will, bleibt vorerst auf der ESR 11.7, die bis Mai 2027 gepflegt wird.
- Version 11.9 bekommt seit dem 15. Oktober keine Sicherheitsupdates mehr.
Mattermost 12 ist am 16. Oktober 2026 erschienen, aktuell ist 12.0.1. Die Version braucht glibc 2.34 und läuft deshalb nicht mehr auf RHEL 7 und 8. Sie verlangt PostgreSQL 15, bei OpenSearch mindestens Version 2, und der eingebaute Slack-Import fällt weg. Prüfen Sie vor dem Upgrade Server, Datenbank und Plugins und testen Sie den Sprung an einer Kopie.
Was ändert sich mit Mattermost 12?
Angekündigt hatte Mattermost die Version Ende August im eigenen Blog unter dem Titel „What will be deprecated in Mattermost v12.0?“. Der Termin hat gehalten. Laut v12-Changelog kam 12.0.0 am 16. Oktober als Major Release, am 22. Oktober folgte 12.0.1 mit Sicherheitskorrekturen mittlerer Schwere. Wer jetzt aktualisiert, sollte direkt auf 12.0.1 gehen.
Neue Funktionen gibt es auch, etwa ein zentrales Attribut-Management für die Enterprise-Pläne und eine höhere Grenze für die Nachrichtenlänge (262.144 statt 16.383 Zeichen). Wer Mattermost selbst hostet, sollte sich zuerst die Abkündigungen ansehen. Die meisten betreffen den Unterbau, also Betriebssystem, Datenbank, Suchserver und Plugins. Ein Mattermost Update auf v12 lässt sich deshalb nicht wie ein gewöhnliches Patch-Update nebenbei einspielen.
Läuft Mattermost 12 auf meinem Server?
Betriebssystem und glibc
Die Mattermost-Binärdateien sind gegen die glibc des Systems gelinkt. Bisher hat Mattermost auf Debian Bullseye gebaut, um mit RHEL 7 (glibc 2.17) und RHEL 8 (glibc 2.28) kompatibel zu bleiben. Weil Bullseye im August 2026 ausgelaufen ist, baut Mattermost jetzt auf Debian Bookworm. Ab v12.0 verlangt der Server deshalb glibc 2.34 oder neuer, und 11.11 war die letzte Version für RHEL 7 und 8. Mit ldd --version sehen Sie, welche glibc Ihr Server hat.
Unterstützt bleiben RHEL 9, Ubuntu 22.04 und 24.04 LTS, Debian Bookworm sowie Container. Mattermost weist ausdrücklich darauf hin, dass das offizielle Docker-Image unabhängig von der glibc des Hosts läuft. Für manche Teams ist das der schnellere Ausweg als ein Betriebssystem-Upgrade unter Zeitdruck.
PostgreSQL 15 als Mindestversion
Mattermost 12 unterstützt PostgreSQL 14 und älter nicht mehr. Hinter der Änderung steht eine feste Regel: Die älteste unterstützte PostgreSQL-Version folgt dem Support der PostgreSQL-Community. PostgreSQL 14 läuft laut den Systemanforderungen am 12. November 2026 aus. Auch wer vorerst auf der ESR 11.7 bleibt, sollte das Datenbank-Upgrade also bald einplanen.
MySQL ist schon seit Mattermost 11 kein unterstützter Weg mehr. Wer noch darauf läuft, hat vor v12 die größte Baustelle: erst die Migration nach PostgreSQL, dann das Upgrade. Mattermost selbst schreibt, dass genau dieser Schritt die längste Vorlaufzeit braucht.
Suche: OpenSearch und Elasticsearch
Falls Sie einen externen Suchserver nutzen: OpenSearch 1.x wird nicht mehr unterstützt, und Mattermost protokolliert beim Start einen Fehler. Nötig ist OpenSearch 2.x oder neuer, alternativ Elasticsearch 8.x oder 9.x. Kleinere Installationen, die nur die Datenbanksuche verwenden, betrifft das nicht.
Welche Funktionen und Plugins fallen in Mattermost v12 weg?
Die Liste im Changelog ist lang. Diese Punkte treffen Unternehmen in der Praxis am ehesten:
- Web-App und Desktop-App laufen auf React 19. Plugins mit eigenen Oberflächenteilen können brechen, wenn sie entfernte React-APIs nutzen. Nicht für v12 neu gebaute Web-App-Plugins kann Mattermost beim Aktivieren sperren. Reine Server-Plugins sind nicht betroffen.
- Mehrere mitgelieferte Plugins haben neue Hauptversionen bekommen, darunter Boards, Jira, GitHub, GitLab und Zoom. Community-Plugins sollten Sie vorher auf eine v12-taugliche Version bringen.
- Der eingebaute Slack-Import ist weg, sowohl der API-Endpunkt als auch der Befehl
mattermost import slack. Mattermost verweist auf das Werkzeugmmetlzusammen mitmmctl import. - Skripte, die mit einem persönlichen Zugriffstoken unter fremdem Namen oder Symbol posten (
override_username,from_webhookund ähnliche), verlieren diese Angaben stillschweigend. Die Nachricht erscheint dann unter dem Konto, dem das Token gehört. Abhilfe schaffen ein Bot-Konto oder ein eingehender Webhook. - Der Bild-Proxy
atmos/camowird nicht mehr unterstützt. Mattermost stellt beim Start automatisch auf den lokalen Proxy um. Ihr Server muss danach die externen Bildquellen selbst erreichen können. - Die Einstellung
ExperimentalEnableHardenedModeheißt jetztEnableHardenedMode. Der Wert wird übernommen, aber Konfigurationsmanagement und Umgebungsvariablen müssen Sie selbst anpassen.
Für die mobilen Apps hat Mattermost mit v2.45 als Mindestversionen iOS 18 und Android 11 angekündigt. Ältere Geräte behalten die installierte App, bekommen aber keine Updates mehr, auch keine Sicherheitsupdates. Fragen Sie Ihre Mitarbeitenden besser vorher, wer noch ein älteres Diensthandy nutzt.
Zu Lizenzen und Editionen enthält der Changelog Funktionsänderungen in den kostenpflichtigen Plänen, etwa das Attribut-Management, das die bisherige Seite „User Attributes“ ersetzt. Hinweise auf ein geändertes Lizenzmodell habe ich dort nicht gefunden.
ESR oder Feature-Release: Welche Mattermost-Version ist die richtige?
Mattermost veröffentlicht monatlich eine neue Server-Version, jeweils rund um den 16. Diese Feature-Releases werden etwa drei Monate gepflegt. Daneben gibt es Extended Support Releases (Mattermost ESR): Laut Release-Policy erscheinen sie alle neun Monate und bekommen zwölf Monate lang Sicherheits- und wichtige Fehlerkorrekturen. Neue Funktionen kommen in eine ESR nicht hinein.
| Version | Erschienen | Typ | Support bis | Aktueller Patch (Stand 28.10.2026) |
|---|---|---|---|---|
| 12.0 | 16.10.2026 | Major Release | 15.01.2027 | 12.0.1 (22.10.2026) |
| 11.11 | 16.09.2026 | Feature-Release | 15.12.2026 | 11.11.3 (22.10.2026) |
| 11.10 | 14.08.2026 | Feature-Release | 15.11.2026 | 11.10.4 (22.10.2026) |
| 11.9 | 16.07.2026 | Feature-Release | 15.10.2026 (abgelaufen) | 11.9.2 (15.09.2026) |
| 11.7 | 15.05.2026 | ESR | 15.05.2027 | 11.7.14 (22.10.2026) |
| 10.11 | 15.08.2025 | ESR | 15.08.2026 (abgelaufen) | 10.11.25 (22.10.2026) |
Wenn Ihr Team Mattermost als ruhiges Werkzeug nutzt und Updates lieber selten einspielt, ist die ESR 11.7 im Moment eine vernünftige Wahl. Sie läuft bis Mai 2027. Die nächste ESR plant Mattermost als v12.4 für Februar 2027, mit dem Hinweis, dass sich Nummer und Termin noch ändern können. Damit bleibt Zeit, Betriebssystem und Datenbank in Ruhe vorzubereiten und dann von ESR zu ESR zu wechseln. Diesen Weg testet Mattermost ausdrücklich. Mehrere ESRs auf einmal zu überspringen ist erlaubt, aber ungetestet.
Wer neue Funktionen will, bleibt auf den monatlichen Releases und muss dann auch monatlich aktualisieren. Ein Feature-Release bekommt rund drei Monate lang Korrekturen. Wer eines ein halbes Jahr liegen lässt, betreibt drei Monate davon ohne Sicherheitsupdates.
Bei 10.11 hat Mattermost nach dem offiziellen Support-Ende noch Patches nachgeschoben, zuletzt am 22. Oktober die 10.11.25 mit einer neueren Go-Laufzeit. Darauf bauen würde ich nicht. Mattermost selbst schreibt, dass ein Upgrade auf 11.7 oder neuer nötig ist.
Wie plane ich das Upgrade auf Mattermost 12?
Erst kommt die Infrastruktur, dann Mattermost. Wer beides in einem Wartungsfenster erledigen will, sucht bei einem Fehler an zu vielen Stellen gleichzeitig. So gehe ich bei einem Mattermost Upgrade auf v12 vor:
- Bestand aufnehmen: Mattermost-Version, Betriebssystem und glibc (
ldd --version), PostgreSQL-Version (SELECT version();), Suchserver, installierte Plugins und alle Skripte, die über Tokens posten. - Falls Sie Versionen vor 11.7 betreiben, zuerst auf die ESR 11.7 gehen, und zwar auf den aktuellen Patch. Mattermost warnt ausdrücklich vor dem Weg von 10.11.17 oder neuer auf 11.7.2 oder älter, weil dabei die Nummerierung der Datenbank-Migrationen durcheinandergerät.
- Betriebssystem auf RHEL 9, Ubuntu 22.04/24.04 oder Debian Bookworm bringen oder auf das Docker-Image umziehen.
- PostgreSQL auf Version 15 oder neuer aktualisieren, als eigenen Termin und nicht im selben Wartungsfenster wie Mattermost.
- OpenSearch 1.x durch OpenSearch 2.x oder Elasticsearch 8/9 ersetzen, falls vorhanden.
- Plugins aktualisieren, eigene Web-App-Plugins mit dem React-19-Codemod umbauen. Skripte mit Token-Posts auf Bot-Konten oder Webhooks umstellen.
- Vollständiges Backup anlegen: Datenbank-Dump, Datenverzeichnis mit allen Dateianhängen und die
config.json. Die Rücksicherung einmal ausprobieren, sonst wissen Sie im Ernstfall nicht, ob sie funktioniert. - Auf einer Testinstanz mit einer Kopie der echten Daten auf 12.0.1 aktualisieren. Dabei die Dauer der Datenbank-Migration messen und das Log auf Konfigurationswarnungen prüfen.
- Wartungsfenster festlegen und das Team informieren, dann die Produktion aktualisieren.
- Danach Anmeldung, Suche, Dateiupload, Plugins und die mobilen Apps durchtesten.
Beim Testlauf lohnt ein genauer Blick auf die Migration für die längeren Nachrichten. Sie sperrt kurz unter anderem die Tabelle posts (ein ACCESS EXCLUSIVE-Lock) und entfernt den Volltextindex auf den Nachrichten. Den baut eine spätere Migration im laufenden Betrieb neu auf. Bis das fertig ist, läuft die Datenbanksuche ohne Index und entsprechend langsamer. Bei einer großen Installation mit Jahren an Chatverlauf sollten Sie das wissen, bevor sich am Montagmorgen die ersten Kollegen melden.
Ebenfalls auf die Testinstanz gehört die Konfiguration. Mattermost hatte strengere Prüfungen der config.json angekündigt. Mit 12.0.1 wurde bereits ein Fall behoben, in dem der Server nicht startete, weil etwa im Feld SupportEmail mehrere Adressen standen. Startet der Server auf dem Testsystem nicht, haben Sie in Ruhe Zeit für die Fehlersuche. Haben Sie Mattermost per Single Sign-on mit Keycloak angebunden, prüfen Sie die Anmeldung dort gleich mit.
Warum sollten Sie Mattermost-Sicherheitsupdates nicht aufschieben?
Am 22. Oktober hat Mattermost Sicherheitskorrekturen für alle unterstützten Versionen veröffentlicht: 12.0.1, 11.11.3 und 11.10.4 beheben Fehler mittlerer Schwere, die ESR 11.7.14 Fehler niedriger bis mittlerer Schwere. Welche Lücken das genau sind, veröffentlicht Mattermost nach seiner Responsible-Disclosure-Regel erst 30 Tage nach dem Release. Mit dem Einspielen auf die Details zu warten, bringt also nichts.
Version 11.9 ist in dieser Runde nicht mehr dabei. Ihr Support endete am 15. Oktober, also eine Woche vor den Patches. Wer noch auf 11.9 steht, bekommt die Korrekturen nicht. Der kürzeste Weg zurück ist 11.10.4 oder 11.11.3. Beide Versionen kommen ohne den Wechsel auf glibc 2.34 aus und verschaffen Ihnen Luft für die v12-Vorbereitung.
Ein Chatserver enthält interne Absprachen, Kundennamen und oft auch Zugangsdaten, die jemand in einer Direktnachricht weitergegeben hat. Das ist einer der Gründe, Mattermost selbst zu betreiben, statt die Chat-Verläufe bei Slack zu lagern. Diese Kontrolle über die eigenen Daten, um die es bei der digitalen Souveränität geht, hat eine Kehrseite. Um Updates, Backups und Plattformwechsel wie jetzt bei v12 muss sich dann jemand im Haus kümmern, und zwar rechtzeitig.
Wenn Ihnen dafür die Zeit fehlt, kann ACONA das übernehmen. Wir betreiben Mattermost auf Servern in Deutschland, spielen Updates und Sicherheits-Patches ein und kümmern uns um die Backups. Beim Umzug von Slack helfen wir ebenfalls. Ob sich das für Ihr Team lohnt, klären wir gern in einem kostenlosen Erstgespräch von 20 Minuten, das Sie über die Kontaktseite anfragen können.
Häufige Fragen
Ist Mattermost 12 eine Extended Support Release?
Nein. Mattermost führt 12.0 als Major Release mit Support bis 15. Januar 2027. Die nächste ESR ist laut Release-Policy als v12.4 für Februar 2027 geplant, Termin und Nummer können sich noch ändern.
Kann ich Mattermost 12 noch auf CentOS 7 oder RHEL 8 betreiben?
Nicht direkt. Die Binärdateien von v12 setzen glibc 2.34 voraus, RHEL 8 bringt nur 2.28 mit. Möglich bleibt ein Umstieg auf RHEL 9, Ubuntu, Debian Bookworm oder das offizielle Docker-Image.
Wie importiere ich nach dem Upgrade noch Daten aus Slack?
Der alte Befehl mattermost import slack existiert in v12 nicht mehr. Mattermost verweist stattdessen auf das Werkzeug mmetl, dessen Ergebnis Sie mit mmctl import einspielen.
Muss ich für Mattermost 12 meine Datenbank aktualisieren?
Wenn Sie PostgreSQL 14 oder älter nutzen, ja. Mattermost 12 setzt PostgreSQL 15 voraus. MySQL wird schon seit Mattermost 11 nicht mehr unterstützt.


